Unbekannter Meister: APOSTEL ohne Buch

 

 

Um 1360
Aus St. Georgen, Schwarzwald-Baar-Kreis. Aus der ehemaligen Klosterkirche
der Benediktiner. Von einem Zyklus der Zwölf Glaubensboten.

Lindenholz. Rückseite flach und wenig ausgehöhlt. Beide Unterarme verstümmelt.
Hände und Buch fehlen. In den Unterarmstümpfen je ein Bohrloch mit Dübelrest.
Auf dem Kopf ein verdübeltes Spannloch. In der Mitte der Standfläche ein bis in
die Aushöhlung reichendes Bohrloch. Verschiedene Risse ausgespänt. Fassung
abgenommen. Auf der Mantelaußenseite graublaue Farbreste.
H 109 cm, B 35 cm, T 24 cm.

 
 

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Der Apostel steht frontal mit stark ausgebogener rechter Seite. Das linke Knie ist in den Gewandfalten deutlich ausgeprägt und verrät die Stellung des Spielbeins. Der Kopf wendet sich kaum merklich in die verkehrt 5-förmige Gesamtbewegung der Gestalt. Die Gesten der einst frei stehenden, aber abgebrochenen Hände lassen sich aus den starren Unterarmstümpfen nicht mehr sicher rekonstruieren. Das Buch ist vermutlich von der rechten Hand getragen worden. An dieser Apostelfigur fällt besonders auf, wie die Massen sich nach oben verjüngen, wie dem schwer lastenden Faltenwerk ein schmalbrüstiger Körper mit zu kleinem Kopf entwächst. Hier ist ein Beispiel geboten, wie der gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts beim Apostelzyklus an der Westfassade des Rottweiler Kapellenturms geprägte Figurentypus sich in der Bildschnitzkunst des südlichen Schwarzwaldes auswirkt.

Lit.: Baum, 1929, S 28, Nr. 40 mit Abb. S.28. - P.
Schmid, 1934, S. 26 mit Abb. Tafel 7, Nr. 40.