Meister von Eriskirch: MARIA in der Erwartung

 

 

Um 1420
Aus Eriskirch, Bodensee-Kreis. Von einer Gruppe der HEIMSUCHUNG MARlÄ.
Zugehörig die Figur der ELISABETH.

Lindenholz. Rückseite flach und bis auf 3,5 cm über der Standfläche ausgehöhlt.
Auf dem Kopf ein verdübeltes Spannloch. Risse ausgespänt.
Fassung abgenommen. Spuren einer weißen Grundierung erkennbar.
In der Aushöhlung hellgraue Farbreste erhalten.
H 142,5 cm, B 36,5 cm, T 21,5 cm.

 

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Es kann kaum Zweifel darüber geben, daß die Figuren der Maria und Elisabeth als Gruppe der Heimsuchung zusammengehören. Beide Figuren sind gleich groß, wobei sie auf einem in derselben Art vieleckig zugeschnittenen Sockel stehen. Ihre Zusammengehörigkeit wird besonders augenfällig, wenn man die beiden Figuren nebeneinanderstehend betrachtet: Maria erscheint als die jüngere der beiden in der Erwartung eines Kindes stehenden Frauen. Die Haltung der Gottesmutter muß ganz im Gegensinne zur rechts von ihr stehenden Elisabeth verstanden werden. Die Stellung der Füße ist etwas enger, die Last nach rechts verlagert, wobei die linke Körperseite merklich ausschwingt. Maria hat die Unterarme ebenfalls schützend vor dem Körper überkreuzt. Sie wendet sich zu Elisabeth, wobei ihre Haltung aufrechter und freier erscheint. Verschieden ist bei den Figuren die Fülle der Gestalt und die Masse der Gewänder. Die Bewegungen entsprechen sich und werden vom Faltengefüge der Gewänder folgerichtig begleitet. Auffallend anders ist die künstlerische Qualität der Marienfigur, bei der offenbar ein Mitarbeiter der Werkstatt mitgewirkt hat.