Hans Multscher: MARIA MAGDALENA

 

 

Um 1450
Aus dem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Heiligkreuztal bei Riedlingen/Donau, Landkreis Biberach. Schreinfigur vom einstigen Hochaltar. Zugehörig die Figur der BARBARA und zwei im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart bewahrte Altarflügel (Inv. Nr. 902 und 903) mit den ganzseitigen Tafelgemälden PFINGSTFEST, KREUZAUFFINDUNG und GELEIT EINER KREUZRELIQUIE.

Lindenholz. Rückseite flach ausgehöhlt. Alte Fassung mit Ausbesserungen. Inkarnat lebhaft getönt. Haare goldblond. Stirnreif vergoldet. Gewand rot, mit Goldborte am Halsausschnitt. Umschlagtuch weiß, mit gefältelter Rüsche gesäumt; innen blau. Mantel weiß, mit Goldborte eingefaßt, Futter blau. Salbgefäß vergoldet.
H 98 cm, B 34,5 cm, T 20,5 cm.

 

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Hans Multscher stellt dem Betrachter die Büßerin MARIA MAGDALENA als sehr lebensvolle Frauengestalt vor Augen. Mit sieghafter Geste trägt die junge Frau das Salbgefäß in Erinnerung an das Gastmahl beim Pharisäer Simon, wo sie Christus liebevoll die Füße salbte. Enttäuscht stand sie mit den anderen Frauen vor der leeren Grabkammer des Gekreuzigten, als sie dem Leichnam mit Balsam einen letzten Liebesdienst erweisen wollte. Und sie begegnete dem Auferstandenen als erste im strahlenden Schein des Ostermorgens. Ein Nachklang verhaltener Freude über diese unerwartete Begegnung liegt in der Haltung der Magd von Magdala, dem symbolträchtigen Rot ihres Gewandes und dem goldgesäumten Weiß des Mantels.