Neckarschwäbischer Bildschnitzer: ULRICH

 

 

Um 1490
Aus Fluorn-Winzeln, Landkreis Rottweil. Schreinfigur von einem Altar der Pfarrkirche.

Lindenholz. Am Block verschiedene Holzstücke eingesetzt. Rückseite flach und ausgehöhlt. Im Kopf oben ein Spannloch verdübelt. Vordere Spitze der Mitra angesetzt, hintere Spitze abgebrochen. Bänder der Mitra an freiliegenden Stellen angesetzt. Rechte Hand angestückt, Bischofsstab fehlt. Linke Hand mit Fisch angestückt, Zeigefinger ergänzt. Risse ausgespänt. Ausgebrochene Stellen durch Paßstücke ergänzt. Fassung abgenommen. Am Mantel rote Bolusreste von der Vergoldung.
H 90 cm, B 27 cm, T 19,5 cm.

 

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ULRICH (890-973), Bischof von Augsburg, ist hier in den Pontifikalgewändern dargestellt. Der Bischofsstab, den er in der rechten Hand hielt, ist verlorengegangen. Nach der Legende gab der Heilige einem Boten an einem Freitag, ohne auf das Enthaltsamkeitsgebot zu achten, ein Stück Fleisch, das in der Hand des Empfängers sofort zu einem Fisch verwandelt wurde. Daher der Fisch in der Hand des Wundertäters. Nach dem Verlust von Farbe und Gold liegt der Reiz des Bildwerks heute in dem markant geschnittenen Gesicht mit dem kräftigen Kiefer und dem ernsten Blick. Belebend ist auch die Art, wie die Hand den Fisch erfaßt und hängen läßt. Die Bänder am Saum der Dalmatica und an den Bändern der Mitra schmücken die Heiligenfigur, die in einer Werkstatt im Gebiet des oberen Neckar entstanden ist.

Lit.: Dursch, 1851, S. 19, Nr. 71.-Baum, 1929, S. 48, Nr.151, mit Abb. S.107.