CHRISTOF VON URACH UND SEINE WERKSTATT

 

"Christof von Urach" ist von signierten Bildwerken und urkundlichen Erwähnungen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts namentlich bekannt und als Bildhauer und Bildschnitzer in die Geschichte der schwäbischen Kunst eingegangen. Urach war nach der Teilung der Grafschaft Württemberg 1442 zur Residenz des südlichen Landesteils geworden und unter Graf Eberhard im Bart auch nach der Wiedervereinigung 1482 eine Pflegestätte der Künste. Nach den Baumeistern Peter von Koblenz und Hans von Zweibrücken wirkte dort auch der Bildhauer Christof. In den Uracher Musterungslisten erscheint 1516 "Christof Bildhawer" und 1523 "Stoffel Bildhawer". 1525 steuert der Bildhauer als Hausbesitzer in Urach. Der Taufstein in der Amanduskirche zu Urach ist 1518 datiert, und das Veitsretabel für Ehingen wurde 1519 in Urach geschaffen. Danach ist anzunehmen, daß Christof bereits um 1515 in Urach eine Werkstatt als Meister mit mehreren Mitarbeitern geführt hat. Christof hat Württemberg später vielleicht verlassen, um Aufträge am Oberrhein und in Franken auszuführen. Zu dieser Annahme berechtigen die bezeichneten Grabdenkmale für Markgraf Philipp I. in Baden-Baden, für Jörg von Bach in Offenburg und die Epitaphien in der Stadtkirche von Wertheim. In der Uracher Musterungsliste von 1528 erscheint Christof nicht mehr. Sein neuer Wohnsitz ist nicht bekannt. Christof ist wahrscheinlich in Urach geboren. Ob er seine Ausbildung in Schwaben oder am Oberrhein erfahren hat, ist umstritten. Sein Tätigkeitsfeld verlagert sich bis zum Ende seines Lebens offenbar völlig ins spätere Baden. Das 1543 datierte Denkmal in Wertheim war wohl sein letztes Werk.

Das künstlerische Werk Christofs von Urach ist nicht einheitlich. In einer Spanne von mehr als einem Jahrzehnt, die zwischen den signierten Werken in Württemberg und im späteren Baden liegt, hat der Künstler in der für einen neckarschwäbischen Meister typischen Weise den Schritt von der Spätgotik zur Renaissance unternommen. Mit der Einordnung des Besigheimer Cyriakus-Retabels in das Frühwerk Christofs um 1520 macht Böhling (1932) deutlich, daß neben den Einwirkungen der Ulmer Schule auch oberrheinische Einflüsse sein Schaffen gefördert haben. Köpf (1950) nimmt schließlich an, daß Christof eine Schulung bei den vom Rhein nach Urach zugewanderten Meistern erfahren hat. Eine Reihe von Zuschreibungen hat das OEuvre des Uracher Meisters mächtig anschwellen lassen, darunter der Marktbrunnen in Urach, Teile des von Heinrich Schickhart signierten Chorgestühls in der Stiftskirche von Herrenberg, die Altarretabeln von Geislingen und Winnenden oder die beiden männlichen Heiligen im Retabel von Wippingen. Das Lebenswerk des Christof von Urach ist von Jürgen Wolf (1971) entwicklungsgeschichtlich betrachtet und in einem Werkkatalog erfaßt worden: 5 signierte Bildwerke in Stein oder Holz, 11 zugeschriebene Werke und 27 nach seiner Meinung abzulehnende Zuschreibungen. Die aus Reutlingen in die Sammlung Dursch in Rottweil gelangten Halbfiguren des König David und Joachim sind von Böhling (1932) in die Uracher Schaffensperiode Christofs um 1520 eingereiht worden. Vielleicht ist auch das von Dr. Dursch 1851 aus einem Privathaus in Ehingen erworbene Relief der Heiligen Sippe nicht nur stilverwandt, sondern wie das Veits-Retabel in Ehingen 1519 in der Werkstatt Christofs entstanden.

Lit.: Wolf, 1971, S.1-11. Kat. und Lit.



| VERZEICHNIS | 14. + 15. JHDT. | 16. + 17. JHDT. |