Schwäbischer Bildschnitzer: MELCHISEDECH

 

Um 1600

Aus Deggingen, Landkreis Göppingen. Von der alten Ausstattung der barock veränderten Pfarrkirche. Relief von einem Gestühl oder Altarwerk. Gegenstück zum Relief des MOSES.

Lindenholz. Hochrelief im Umriß der Gestalt. Rückseite flach. Die linke Hand trägt die Brote, die rechte den Weinkrug. Fassung abgenommen.
H 61,5 cm, B 23 cm, T 9,5 cm.

 

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MELCHISEDECH, ein Priester der alttestamentlichen Zeit, bringt Brot und Wein für das Opfermahl. Ein Turban kennzeichnet seinen Stand. Über dem langen Untergewand trägt der Priester ein hochgegürtetes Obergewand, dessen Saum mit Fransen verziert ist. Um die Schultern hängt ein weiter, vom linken Unterarm geraffter Mantel. Die Körperhaltung ist frontal. Die Gewänder verbergen den Kontrapost der Körperlast. Ein Faltenzug zum linken Fuß verrät die Stellung des Spielbeins, dessen Knie sich in den Stoffbahnen abhebt. Der Kopf ist kaum merklich nach rechts gewendet und fällt durch den langen, üppig gewellten Bart auf. Über der linken Hand des Priesters sind zwei runde Brote aufgeschichtet. Die rechte Hand umfaßt den Henkel des am Bauch mit einem gravierten Bandmuster verzierten Weinkruges. Die Bildwerke des Melchisedech und Moses stammen nach den Angaben von Dr. Dursch "aus der alten Kirche von Deggingen", seinem Geburtsort. In seiner Heimat im oberen Filstal hat Dursch auch noch andere Werke für seine Kunstsammlung erworben.

Lit.: Dursch, 1851, S. 14, Nr. 41. - Baum, 1929, S.53, Nr.189 mit Abb. S.128.