Am Platz älterer Patrizierhäuser am damaligen Bockshof baute der Rottweiler Stadtbaumeister Hans Weber von Werth um 1580 im Stil der wiederbelebten Gotik der Gegenreformation eine Friedhofskapelle für den "Alten Gottesacker» der Reichsstadt. Das Gotteshaus wurde dem römischen Diakon und Märtyrer Laurentius (+ 251) geweiht und erlitt schon im Dreißigjährigen Krieg so erhebliche Schäden, daß es im Chorbereich neu ausgemalt werden muBte. 1832 kam die Verlegung des benachbarten Friedhofs vor die Stadt nach Ruhe Christi. St. Lorenz wurde profaniert und für Archivzwecke sowie als Marktgebäude genutzt, bis 1851 die Sammlung gotischer Holzskulpturen und Tafelgemälde des Kirchenrats Dr. Georg Martin von Dursch in dem stimmungsvollen Raum Einzug hielt. Seit 1891 wurde die Sammlung Dursch sinnvoll ergänzt durch vom Rottweiler Kapellenturm abgenommene Steinbildwerke des 14. Jahrhunderts, die 1977 nach der Restaurierung derKapel le in einem wehrgangähnlichen Anbau untergebracht wurden. Die Sammlung Dursch wird seit 1992 im neuen Dominikanermuseum Rottweil hinter der Predigerkirche sachgerecht, würdig und vor allem wieder vollständig gezeigt. Der frei gewordene Raum in St. Lorenz, das seit 1991 seinen Dachreiter und zwei Glocken zurückerhielt, wurde als Museum der Rottweiler Steinmetzkunst eingerichtet, das ihre künstlerischen Leistungen, aber auch ihre Arbeitsbedingungen verdeutlichen soll. Sein innerer Bezug zur Sammlung Dursch im Dominikanermuseum ist unübersehbar.