Gestaltet sind die Steinbildwerke vom Rottweiler Kapellenturm in der Kunstsammlung Lorenzkapelle in einem eher traditionsorientierten Stil, welcher zeitlich der Parler-Kunst vorausgeht. Unabhängig davon, ob man von einem eigenen »Rottweiler Stil« sprechen will, ist er gekennzeichnet durch die Unterordnung der Plastik gegenüber der Architektur und eine asketische, fast körperablehnende Tendenz, die von der Mystik her verständlich wird. Seine Anregungen erhielt dieser Stil von Frankreich über die Bauhütten von Straßburg und Freiburg. Eigenständig formuliert hat er sie weitergegeben nach Augsburg und Esslingen, nach Bayern, Franken, Südtirol und Mähren. In Rottweil klang er um 1370 mit drei gleichfalls ausgestellten Plastiken vom Rottweiler Spital aus. Ihre überragende Bedeutung besaß die Kunst des
Rottweiler Kapellenturms im 14. Jahrhundert aber nicht nur innerhalb der gotischen Monumentalplastik Schwabens, sondern auch für die Porträtkunst in Stein, wie der um 1340 entstandene »Prophet mit dem Schriftband« zeigt.