Die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser spielte im reichsstädtischen Rottweil sicher die gleiche Rolle wie schon in der Römerstadt Arae Flaviae. Einer ersten Generation von Hausbrunnen mit tiefen Schächten folgten im Spätmittelalter bald öffentliche Brunnen auf den Plätzen und Straßen der Reichsstadt, bis etwa 1580 allein 26 in der Innenstadt und in Rottweil-Altstadt weitere acht. Erstmals erwähnt werden der Brunnen am Rathaus 1323, der Spitalbrunnen 1381. Bald sah man in ihnen nicht mehr nur lebensnotwendige Wasserspender, sondern Bedeutungsträger und Denkmale der städtischen Gesellschaft, die mit groBer Kunstfertigkeit gestaltet wurden. So krönt den Brunnen am Rindermarkt (Friedrichsplatz) bis heute der hl. Christophorus, dem die Reisenden anempfohlen waren. Der Brunnen vom Hochbrücktor und bei den Häusern der Grafen von Sulz und der Schwestern von Rottenmünster zeigt Maria, die Schutzherrin des Reichs, St. Georg als Patron der Ritterschaft und Katharina, die Schutzheilige gebildeter Frauen von Stand. Der Marktbrunnen schließlich trägt ein ganzes Figurenprogramm im Sinn einer christlich-humanistischen Weltanschauung und auf der Spitze seines Brunnenstockes seit etwa 1540 einen Schweizer mit der Fahne des Standes Rottweil als Hoheitssymbol und Zeichen der Zugehörigkeit Rottweils zur Eidgenossenschaft.