Wie hart die Arbeit der Steinmetzen und ihrer Gehilfen im Mittelalter und noch lange danach war, zeigt die Plastik des Rottweiler Weckenmännle's. Die kleine Steinplastik, die mit Meister Anton Pilgram in Zusammenhang gebracht wurde, zeigt einen Steinträger mit ausgemergeltem Gesicht in Arbeitskleidung mit einem Wecken im Wams und einem Hufeisen als Glücksbringer am Gürtel. Auch wenn die Nachricht nicht ausreichend verbürgt ist, seine Arbeit am Kapellenturm sei nur mit einem Paar Hosenbändel und dem abgebildeten Wecken bezahlt worden, so ist sicher nicht zu übersehen, daß sie auch als besondere Form der Frömmigkeit geleistet wurde. Die steht dahinter, wenn entsprechende Figuren als Kanzelträger und Sockelfiguren hoher Sakramentshäuser gestaltetwurden. Im übrigen arbeitete an einer Baustelle wie dem Rottweiler Kapellenturm eine ganze »Hütte« von Steinmetzen unter Leitung von ein oder zwei Meistern, die auch für die Bauplanung verantwortlich waren. Nach Beendigung ihrer Arbeit zogen sie ebenso wie ihre Gesellen weiter und nahmen ihr technisches Wissen ebenso mit wie ästhetische Vorstellungen. So kamen die am Rottweiler Kapellenturm tätigen Meister aus Straßburg, Freiburg und Basel und wanderten weiter nach Augsburg und Esslingen, nach Franken, Mähren und Südtirol.