Ausstellung:
Von Caterina Ranchozeigen wir Fotoserien, die in der Tradition der Ästhetik des Häßlichen wur-
zeln, die bekannterweise bis zu den deutschen Malern und Zeichnern um 1500 zurückreicht und im
19. Jh. ihre theoretische Ausformulierung findet, so im Paradebeispiel von Baudelaires „La
Charogne“.
Ranchos Motive reichen von Inzenierungen des eigenen gewaltsamen Todes als schöne Leiche, über
ein „Organkränzchen“, einem sehr konkreten Leichenschmaus unter 5 Freundinnen, bis hin zu
exquisiten Tierkadavern, ohne die erotische Sensefrau im Friedhofsambiente zu vergessen, alles mit
den eleganten und kostbaren Stilmitteln der Werbefotografie eingefroren. Stilisierte Szenen zwischen
Genuss, Gewalt, Tod, Erotik und Schönheit, ironisch-ernsthafte Aktualisierungen der perversen fin-
de-siècleWelten und der schwarzen Romantik.
Von Jean-Claude Mondotzeigen wir Sarg-, Urnen-, und Grabobjekte aus einer Serie vom Anfang
der 90er Jahre, Paraphrasen auf die Traditionen der figurativen Sarg- und Grabgestaltung und auf die
Tradition der Betrachtungssärglein.
1994 wurden die Objekte als Eröffnung eines Bestattungsunternehmens getarnt, in einem Ladenlokal
in der Kölner Innenstadt präsentiert. Das Projekt verfolgte 2 gedankliche Richtungen. Auf der forma-
len kunstbezogenen Ebene ging es um den Gedanken, nicht, wie seit Duchamp, Gebrauchsgegen-
stände zu Kunstwerken zu deklarieren, sondern umgekehrt, Kunstwerke zu Gebrauchsgegenständen.
Auf der gesellschaftsbezogenen Brauchtumsebene, Sarg, Urne, Grab, ging es um Vorschläge zur
Erneuerung des aus dem 19. Jh. ererbten Bestattungsdesigns.
Nachdem die Objekte im Museum für Sepulkralkultur in Kassel gezeigt und von Magazinen für das
Bestattungswesen besprochen wurden, fanden sie den vorsichtigen Einlass in die reale Welt des
Bestattungswesens, ganz im Sinne des Gesamtkonzepts die Produkte mit oder ohne den unterstellten
Kontext zu sehen oder einfach als Vexierbild stehen zu lassen.
Die Geschichte dieser Objekte und der kalendarische Anlass von Allerheiligen und Allerseelen
bewog uns, dieses Konzept in einer neuen Fassung, erweitert durch die Gedanken der jungen
Fotografin Caterina Rancho, anläßlich der Eröffnung unserer Galerie, neu aufzulegen.


VideoObjekt:

Kulturhistorische Betrachtungen werden in den Videobeiträgen vertieft, unter anderem von Prof.
Rainer Sörries, dem ehemaligen Direktor des Museums für Sepulkralkultur in Kassel. Unter diesen
Videobeiträgen zeigen wir auch ein Interview mit Reinhold Messner zu seinen Nahtoderlebnissen,
das wir 2001 aufgenommen hatten. Ein weiteres Element bilden Textanimationen und Kurzfilme.
Eine weitere Vertiefung wird durch die akustische Ebene eingeführt, die hörspielartig, zwischen
Stille, Geräusch und Texten aus der europäischen Literatur wechselt, mit den Stimmen von Karl-
Rudolf Menke, Sprecher beim SWR und ARTE, sowie Katharina Bintz, Schauspielerin und
Filmemacherin aus Hamburg.


Liveprogramm:

Ruta Paidere, Komponistin und Professorin an der Musikhochschule, spielt die 6 kleinen
Klavierstücke op. 19 von Schönberg. Die Stücke Nr. 2 und Nr. 4 mit einer Choreographie von
Jasmine Fan, Tänzerin, Choreographin und Filmemacherin aus Hamburg.
Naama Freedman, eine aus Israel stammende, in Hamburg lebende Künstlerin und Musikerin und
Mona Steinwidder, aka Mohna, Künstlerin und Musikerin aus Hamburg, mit einer
Musikperformance auf der Basis israelischer Lieder, die von den Musikerinnen zerlegt und wieder
zusammengesetzt werden.