ALTERTUM

Das Erscheinungsbild des Sarges in der Antike ist vielfältig und setzt von Kultur zu Kultur wechselnde Akzente. Seine Form reicht vom ausgehöhlten Baumstamm über den schlichten Kasten bis zur menschengestaltigen Hülle, seine Materialien wurden der natürlichen Umwelt entnommen. Bevorzugt wurden Holz und Stein; wo beides fehlte, traten gegossene Metalle oder gebrannter Ton an ihre Stelle. Mit dem Schmuck der Särge verfolgte man unterschiedliche Ziele.

Man hielt Rückschau auf das Leben des Verstorbenen, seine soziale Stellung, seine Bildung oder seine Tapferkeit. Daraus schöpften die Menschen die Hoffnung, mit einem Weiterleben nach dem Tod belohnt zu werden. Oder das erhoffte Jenseits selbst wurde geschildert, beispielsweise als erquickende Ruhe in idyllischer Hirtenlandschaft oder als Teilhabe an einem nicht endenden bacchantischen Reigen. Die Gewißheit eines jenseitigen Lebens begründete man nicht zuletzt durch religiöse Aussagen, die den Verstorbenen als Mitglied einer religiösen Gemeinschaft auswiesen. Vom alten Ägypten bis zum Christentum begegnet uns in der Sargikonographie auch immer wieder das Motiv eines Gerichtes als Schwelle zwischen Tod und Auferstehung. Aber auch das religiöse Zeremoniell des Begräbnisses fand in der Dekoration von Särgen seinen Niederschlag.

Die teilweise recht aufwendig dekorierten Särge wurden sowohl in Mausoleen und Grabkammern aufgestellt, als auch in dunkle Grüfte oder in die Erde versenkt, wo sie den Blicken entzogen waren. Daraus ist zu schließen, daß der Sargschmuck über seine dekorative Funktion hinaus einen ideellen Wert besaß.

Im Altertum besaß der Sarg nicht in erster Linie eine hygienische Funktion, denn die Masse der Leichname wurde weniger aufwendig beigesetzt. Er erfüllte vielmehr in der sozialen Oberschicht die notwendige Aufgabe, die sterbliche Hülle oder ihre Seele für das Jenseits zu bewahren. Und gewiß war der Sarg auch ein Teil des sozialen Prestiges.