Die Zahl der Gefangenen

In einem Bericht spricht Büttner, der Kommandant des Konzentrationslagers Thil, von 860 Gefangenen. Er gab diese Zahl der Kommandantur des Konzentrationslagers Natzweiler an, unter deren Verwaltung sich das Lager von Thil in der Zeit vom 30.07.1944 bis zum 05.08.1944 befand.

Diese Zahl stimmt nicht mit der überein, die das Rote Kreuz in seinem Katalog nennt, wo von 800 Häftlingen der Firma AEG gesprochen wird, die nach Dernau und Kochendorf verlegt worden waren.

Man weiß somit nicht, was mit den Deportierten geschehen ist, die laut Büttners Bericht für die Firma Eisenrieth (70 Personen), Minette (172 Personen), AEG (10 Personen) gearbeitet haben.

Darüberhinaus kann man feststellen, daß alleine die Abteilung "Sonderfertigung" der Minette GmbH 2000 Arbeiter beschäftigte. Und daß die Minette GmbH insgesamt 5 solcher Abteilungen betrieben hat um die Montagebänder für den Bau der V1 am Laufen zu halten: Sonderfertigung, Fabrikation, Montage, Stanzen, Endmontage.

Somit könnten die Zahlen bedeutend höher gewesen sein als die offiziell genannten.

Am 19. August1944 schlägt SS. Sturmbandführer HARTJENSTEIN, Kommandant des Konzentrationslagers Struthof, vor, zu den schon 723 beschäftigten Deportierten (vielleicht der Rest der 800 im Bericht vom 05.08.1944 genannten) weitere 1300 aufzunehmen.

723 + 1 300 also 2 023 wären somit vorgeplant gewesen.

3 500 sollten ab dem 7. März 1944 hinzukommen (Vereinbarung vom 7. März 1944 - Jägerstab, zwischen Porsche und Milch).

Gemäß den Dokumenten, die nach Aussagen von Deportierten die im Lager Thil inhaftiert waren, erstellt wurden und sich heute im "Moreshet Archive Givat - Havviva" in Israël befinden, könnte sich die zeitliche Abfolge der Ankunft der Deportierten in Thil wie folgt darstellen:

 

a) - Facharbeiter aus Auschwitz ausgebildet und ausgewählt für Volkswagen in Thil. Ein Zeuge, der zu dieser Gruppe gehörte, nennt für ihre Ankunft den
(diese Gruppe errichtete das Lager)

 


Mai 1944

 


300

 

b) - Arbeiter aus Peenemünde, die schon vor der offiziellen Öffnung des Lagers ankamen (gleiche Tätigkeit wie in Peenemünde)

 

21. Mai 1944

 

300

 

c) - direkt aus Auschwitz, Juden aus verschiedenen Berufen zum Aufbau der Maschinen, von Büttner begleitet

 

7. Juni 1944

 

500

 

d) - angegeben von der Commission départementale de l'Information historique, aus Natzweiler

 

vom 15.-29. Juni und 3. Juli 1944

 

63

 

e) - ungarische Juden direkt aus Auschwitz (errichten das Lager)

 

20. Juni 1944

 

500

 

f) - ungarische Juden aus einem "Kdo." von Fallersleben

 

6. Juli 1944

 

300

 

insgesamt:

 

1 963

 

Die "Kommandos" "Erz" (Thil) und "Roka" (Audun-le-Tiche - Deutschoth) wurden bei ihrer Ankunft in Deutschland "Eisbär" und Kochendorf zugeteilt. Die anderen wurden am 4. September zum K.L. Bu.Kdo. Dernau verlegt.

Diese beiden "Kommandos" zählten 656 Deportierte für Audun-le-Tiche mit 97 Gefangenen (100-3 Geflohene). Diese 97 sind bei den 656, die in Deutschland ankamen, somit zählte Thil (656-97) 559 Deportierte.

Um die Zahl der vermißten Deportierten zu schätzen bieten sich 3 Hypothesen an:

 

A) - SS. Büttner erwähnt in seinem Bericht
Gefangene für die Periode vom 30.7. bis 5.8.1944

abzüglich

also fehlen:



859

 

559

= 300

 

B) - Bei den Nürnberger Prozessen ist die Rede von

abzüglich

es fehlen:



3 500 

559

= 2 941

 

C) - Nach unserer Zählung

abzüglich

es fehlen:


1 963

559

= 1404


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