Buton - Ein Haus für den Toten

   
   

Zwei der schönsten und seltensten Objekte der Ausstellung sind zweifellos die Grabpfeiler von der kleinen Insel Buton (ca. 150 km lang), südlich von Sulawesi gelegen (s. Karte). Sie wurden von Johannes Elbert, Mitglied der Sunda Expedition der Frankfurter Geographischen Gesellschaft, 1911 nach Frankfurt am Main gebracht und dem Museum für Völkerkunde vermacht (1). Nur wenige ähnliche Objekte sind nach Europa gelangt (2).

Zur Zeit der Frankfurter Expedition war die Insel Buton ein Sultanat. Das Volk war eingeteilt in Freie, Leibeigene und Sklaven (Sklaverei war in jener Zeit von der holländischen Regierung schon verboten worden, aber es gab immer noch Menschen, die als Besitz betrachtet wurden). Die Einwohner Butons waren Fischer und Händler, die mit den benachbarten Inseln ihren Handel trieben (3).

Auf Buton bestanden die Gräber aus 1 m hohen Hügeln aus Korallenblöcken oder aus Kalk und Sand aufgemauerten Kästen. Die Grabpfeiler (einige erreichten 2 m Höhe und mehr) wurden nach dem Tod eines Menschen geschnitzt und später auf sein Grab gestellt. Die Seele des Toten (über ihre Beschaffenheit erfuhr der Sammler nichts) blieb zunächst noch im Haus, wo der Tote zu Lebzeiten gelebt hatte, danach nahm sie ihren Aufenthalt im Grabpfeiler (4).

Die sogenannten Seelenhäuschen - oft kleine Dächer, nicht immer so künstlerisch gestaltet wie auf Buton - sind in der religiösen Praxis der Bewohner der Inseln Ost-lndonesiens weit verbreitet (5).

Durch die Art und Weise wie der Sammler in den Besitz des Objektes kam, wird klar, daß die Seele des Verstorbenen in dem Grabpfeiler weilt. Der Sammler wollte unbedingt einige Pfeiler nach Frankfurt mitnehmen. Der Sohn des Verstorbenen weigerte sich aber, sie wegzugeben, da sich die Seele seines Vaters darin befinde. Der Sammler hat ihm nicht nur Geld für das Objekt geboten, sondern auch noch Geld, um ein neues Totenfest zu veranstalten. Um ihn umzustimmen, sagte der Sammler, daß der Grabpfeiler schon verwittert sei und dementsprechend keine gute Behausung für die Totenseele darstelle. Außerdem, wenn er einen neuen Grabpfeiler herstelle und ein Totenfest veranstalte, würde die Totenseele sicher erleichtert in ihre neue Behausung einziehen (6).

Die Schiffe auf dem Grabpfeiler sind kleine Abbildungen butonesischer Schiffe. Sie sind wahrscheinlich sowohl Symbol für die alltägliche Aktivität, das Segeln, der Bewohner der Insel, als auch für die Schiffsreise der Totenseele - eine Vorstellung, die in zahlreichen Kulturen Indonesiens Bestandteil des religiösen Denkens ist.


Anmerkungen

1) Vgl. Elbert l, 1911. Zwei weitere Grabpfeiler wurden nach Frankfurt am Main mitgebracht: der eine für eine verstorbene Frau (aus einer hölzernen Planke bestehend) und ein anderer, einfacher und kaum beschnitzt, der als Pendant am Fußende des Grabes aufgestellt war (Elbert 1,1911:197, Abb. 95a und 96). Beide Objekte sind als Kriegsverlust verzeichnet. Über die Frankfurter Expedition s. Friedrich 1987: 51-56.
2) Von den mir in Europa bekannten, befindet sich ein ähnlicher Grabpfeiler im Museum für Völkerkunde in Leiden, Niederlande); ein Schiff steht auf dem Dach eines Häuschens (Juynboll XVIII 1925: 89f.Inv.1926/683). Ein kleiner Grabpfeiler aus Buton (ohneSchiff) befindet sich imTropenmuseum in Amsterdam (Inv N- 671-1). Beide Objekte sind schwarz und rot bemalt.
3) Elbert 1, 1911: 178f.
4) Ebda.: 198.
5) Vgl. Körner 1940.
6) Elbert I, 191: 196.


Tod im Kulturvergleich