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Die Wege, die zu den Wohnstätten der Toten führen

Ein ums anderemal verweisen die alten Texte auf die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins: "Selbst wenn er aus Jade wäre oder aus Gold, müßte er dennoch dahinziehen in die Region des Mysteriums... !" (Cantares mexicanos, 1904, 51 r). Auch die rituellen Worte wurden überliefert, die alle hörten, die sich um die Leiche eines soeben Verstorbenen versammelten. Was aus diesem Anlaß gesagt wurde, galt dem Gedenken und dem Dialog mit dem Tode:

Du, oh mein Sohn, hast das Sehnen gekannt,
hast gelitten;
Unser Herr hat sich deiner nun schon erbarmt.
In Wahrheit ist unsere Bleibe nicht hier auf Erden.
Nur einen Augenblick, eine kurze Weile
haben wir Wärme und Licht der Sonne hier empfangen.
Nur dank seiner, dank Unseres Herrn,
sind wir gekommen, unsere Gesichter zu erkennen.

Nun ist der Herr des Totenreiches,
Mictlantecuhtli,dir erschienen,
Acolnahoácatl,der von der Biegung des Wassers,
der Tzontemoc genannt wird,
daß heißt der, "welcher den Kopf senkt"
- die nächtliche Sonne
und auch die Herrin der Toten, Mictecacihuatl.
Sie sind gekommen, dir Ruhe zu bieten,
einen Ruheplatz, denn in Wahrheit
ist dort unsere gemeinsame Heimstätte des Sterbens,
dort wird die Erde weit,
dort ist sie ganz zu Ende.

Du bist hingegangen an den Ort
"wo man sich irgendwie befindet."