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Die gedankliche Verknüpfung der Papierfahnen mit dem Tode ließe sich vielleicht als linguistische Verbindung erklären: pánitl,"Fahne", mochte den Gedanken an das Verb pano,"einen Fluß oder einen See überqueren", nahelegen. Und wer starb, hatte eben Chicnauapan,"die neun Seen", zu überqueren.

In dem gleichen Text des Codex Florentinus ist auch eine Beschreibung der unmittelbar auf den Tod folgenden Zeremonien enthalten: Es mußte ein Hund getötet werden, damit er den Toten ins Jenseits begleite; neben der Leiche wurden am Ort der Verbrennung einige Gegenstände des persönlichen Gebrauchs des Toten aufgebaut: etwa seine Insignien als Krieger, Pfeile und Schild, oder, wenn es eine Frau war, ihre Spindel oder ihre Körbe... War der Tote ein Würdenträger gewesen, wurden nach der Verbrennung und der Beisetzung der Asche in einem Tongefäß einige seiner Sklaven geopfert, damit sie ihm auch im Jenseits zu Diensten wären.

Für die Verstorbenen gab es im Jenseits verschiedene Orte, an die sie gelangen konnten. Für die alten Mexikaner hatte das Schicksal nach dem Tode nicht unbedingt mit dem moralischen Verhalten zu tun. Während des irdischen Daseins gab es eine gewisse immanente Form der Gerechtigkeit und des Ausgleichs. Alle, die die alten Normen über das "Angemessene", das "Richtige", einhielten, vermochten ihre Persönlichkeit entsprechend zu entfalten: Sie entwickelten "ein weises Antlitz und ein gutes, starkes Herz". Dadurch waren sie glücklich und genossen Ansehen. Die hingegen, die diese alten Normen und Sitten mißachteten, zerstörten ihre eigene Menschlichkeit: Sie verfehlten die Richtung ihres Herzens und ihr Gesicht wurde zu einer widerwärtigen Realität: die einen jeden abstieß.