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der tributpflichtigen Städte nach Tenochtitlan gekommen war; das Produkt vieler Jahre. So entstand das Gerücht von den vergrabenen Schätzen der Azteken. Für die Eroberer aber hatte es noch viel schlimmere Folgen: ihnen wurden Besitzungen angewiesen und ihre Steuer an Kaiser und Vizekönig entsprechend den Tributlisten festgelegt auf Jahresbasis! Natürlich konnten sie ihre Verbindlichkeiten nicht bezahlen und verarmten selber. Der einzige Ausweg war, die Indianer auszuplündern und auszubeuten; hier liegen in den Anfangsjahren aller spanischen Kolonien die Gründe für die katastrophale Lage der Indios. Weitere Zuwanderer aus Spanien waren völlig unerwünscht: man kam gerade selber zurecht.
Nur so ist es zu erklären, daß die Spanier bis 1540 bereits ganz Südamerika durchzogen und es unterwarfen: jede Gruppe von Neuankömmlingen mußte von neuem nach Glück suchen - und viele Alteinwanderer schlossen sich ihnen an, forschten nach "EIdorado" (Beispiele aus dem Bremer Goldschatz: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 ), dem sagenhaften Land, in dem die Dächer mit Gold gedeckt sind. Das meiste Gold, das damals gefunden wurde, wurde über Vera Cruz in Neu-Spanien (Mexiko) verschifft; hieraus erklärt sich, daß es soviel "mexikanisches" Gold gibt.
Ebenso wie an Gold waren die Spanier aus ehrlichem Herzen an der Missionierung interessiert. Das Gold war für das Leben auf Erden; die Missionierung sicherte den Platz im Himmel. Wenn Priester zur Unterdrückung genutzt wurden, sich selber dazu hergaben, sollte das kein Grund sein, an der Ehrlichkeit ihres Anliegens zu zweifeln. Gewiß, das Christentum hatte seine sehr negative Funktion: es wurde zum entscheidenden Instrument der Versklavung der Indianer. Denn die sollten eigentlich nicht angerührt werden, sollten als "Bürger" unter der Verwaltung der Spanier frei leben. Nur bei kriminellen Taten oder Aufständen durften sie versklavt werden oder als Ketzer. Und hier boten sich große Möglichkeiten: ein Ketzer ist, wer das Wort Gottes kennt