-11-

und sich nicht danach richtet. In welcher Sprache dieses Wort ihm verkündet wird, ist nicht festgelegt. Natürlich bot sich hier Anlaß zum Mißbrauch, der häufig getrieben wurde und die Lage der Indianer verzweifelt machte.
Aber dies ist nur die eine Seite der Missionierung. Schon sehr früh (1524) schickte Karl V. eine Delegation hervorragender Theologen zur Diskussion mit aztekischen Adligen und Priestern nach Mexiko. Sie zogen zu Fuß von Vera Cruz nach Mexiko-City und müssen auf die Indianer großen Eindruck gemacht haben. Denn vor diesen einfach gekleideten Männern stiegen die Sieger, die gerüsteten Reiter ab und baten um Segen. Und diese Männer, die direkt vom Kaiser kamen, waren bereit, sich für die Indianer zu interessieren, ihre Sprache und Kultur zu erforschen.
Die Konferenz fand 1524 in Mexiko statt. Nur Teile sind uns überliefert worden. Die Protokolle ("Colloquios") wurden in den 70er Jahren des 16. Jahrhunderts von Sahagun, dem Priester und Ethnographen, überarbeitet und zur Herausgabe vorbereitet; sie fand nie statt, da die Inquisition protestierte. Die 1929 im Vatikan aufgefundenen ersten 14 Kapitel zeigen das ehrliche Bemühen der Theologen, die Azteken von der Schändlichkeit ihrer Götter zu überzeugen, sie von ihnen zu befreien und durch die Missionierung zu "erlösen". Wie bei den meisten Missionierungen werden die "eroberten Götter" nicht einfach geleugnet, dafür aber zu Teufeln umgestaltet: sie sind gefallene Engel, die die Menschen irregeführt, sich eigene Reiche geschaffen haben. Die christliche Missionierung ist die Befreiung von diesen Satanen ...