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Wir sind Untertanen,
Wir sind vergänglich, sterblich,
Wohlan, laßt uns denn sterben,
Wohlan, laßt uns denn zugrunde gehen!
Sind doch die Götter gestorben.
(Colloquios 923-927)

Die Masse der Bevölkerung konnte leichter zum neuen Glauben übergehen. Die Götter der Azteken waren "fremde" Götter gewesen. Ihr Tod machte das Konvertieren leicht, solange die eigenen Vorstellungen, die mit dem Land verbundenen Kulte, besonders die Ahnenkulte nicht angegriffen wurden. Und die Missionare? Sie wachten zwar über die Einhaltung des Glaubens, konzentrierten sich vor allem auf das Menschenopfer. Durch den völligen Zusammenbruch der Wirtschaft als Folge der Eroberung, durch die Versklavung von "Ketzern" wurden zahllose Indios in den Selbstmord getrieben - die Missionare interpretierten dies als Menschenopfer. Um Menschenopfer zu verhindern, gingen die Missionare in anderen Punkten Kompromisse ein: beispielsweise verboten sie den Gebrauch des Kruzifixes, da die Indios dies als Opfer identifizierten. Oder sie schufen Kirchen ohne Dach, da die Indios die alten Tempel nicht hatten betreten dürfen und Angst vor geschlossenen "Tempeln" hatten.
Durch die Konzentration auf bestimmte Elemente des Glaubens wurde ihr Widerstand gegen andere gemildert. Der katholische und der indianische Totengedenktag fiel bei einigen Völkern beinahe auf den gleichen Tag; die Formen im Gedenken und in der künstlerischen Darstellung waren ähnlich - beinahe unmerklich konnten sich die Vorstellungen vermischen; konnten