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Der heutige Totenkult

Der heutige Totenkult in Mexiko ist ebenso bunt wie vielfältig. In jedem Dorf wird er etwas anders gefeiert. Es gibt also nicht "den" Totenkult Mexikos, sondern vielfache Variationen eines Themas: des Besuchs der Toten bei ihren Verwandten am 1. und 2. November.

Wir haben zwei Orte ausgesucht, um den Totenkult darzustellen: Mizquic und Ocotepec. Mizquic liegt am Rande der Hauptstadt; in den letzten 30 Jahren wurde das rein landwirtschaftliche Dorf teilweise zum Vorort. Viele Bewohner sind heute nicht mehr Bauern, sondern arbeiten in der Stadt, viele Jugendliche nutzen die Bildungschancen der Großstadt, um das Dorf einmal verlassen zu können . Der Totenkult in Mizquic ist landesweit bekannt. Viele Bewohner der Hauptstadt besuchen das Dorf am 1. und 2. November. Dennoch hat er sich bei den Familien als eigenes Fest ohne touristische Kompromisse erhalten.
Ocotepec liegt 60 km von der Hauptstadt entfernt. Es gibt kaum andere Arbeitsmöglichkeiten als Landwirtschaft, Handwerk und kleine Dienstleistungen. Touristen kommen selten in diesen Ort. Der Totenkult ist von ihnen unbeeinflußt.
Aber auch Ocotepec ist kein "ganz normales" Dorf. Ihm entstammt ein politisch sehr aktiver Bischof, der jedes Jahr zum Totenfest heimkommt und die kirchlichen Zeremonien leitet. Er will auf die "Wurzelm", auf die Herkunft aus dem Indianischen verweisen und führt ganz bewußt auch den Totenkult auf vorchristliche Riten zurück.