-16-

Die Einladung

Unser Gastgeber in Mizquic erzählt uns: "Mein Großvater hat unseren Hof aufgebaut und uns zu einer der wichtigsten Familien in Mizquic gemacht. Wir bearbeiten fruchtbares Land; die Leute sagen, es stammt noch von den Flößen, die die Azteken früher einmal im See gebaut haben, um Felder zu gewinnen. Natürlich, es ist harte Arbeit; bei den vielen Kanälen kann man keine Maschinen einsetzen. Und das Vieh muß auch im Hof bleiben. Aber es ernährt uns.

Mein Vater war ein Schürzenjäger und das ist dem Hof nicht gut bekommen. Ich mußte ganz nett schuften, um ihn wieder hochzubringen. Natürlich laden wir auch meinen Vater zum Totenfest ein; er wird genauso behandelt wie der Großvater. Er hat nicht so viel für die Familie getan, aber das wollen wir ihn nicht spüren lassen. Wenn wir die Toten in unser Haus einladen, sollen sie sich wohlfühlen und mit uns feiern; nicht gestraft werden..."

"Jeder Tote wird in ein Haus eingeladen. Die Toten bekommen nur für einen Tag Urlaub aus dem Jenseits, um sich hier mit den Lebenden zu vergnügen. Da können sie ja nicht überall herumlaufen! Sie haben einen weiten Weg und wollen sich ausruhen. Deshalb bauen wir die Ofrendas auf; als Einladung und Stärkung für die Toten. Sie brauchen Wasser und etwas zu essen; Kerzen und Weihrauch, um sich zu erfreuen. Und die gelben Blumen, um uns überhaupt zu finden. Die Toten können nur gelb sehen... - deshalb hängen wir ihnen auch eine Laterne vor das Hoftor. Essen können sie nicht; sie nehmen alles durch den Geruch auf. Man sagt, anschließend sind die Nahrungsmittel ganz kraftlos; früher hat man sie weggeworfen oder den Armen gegeben. Das tun wir nicht mehr..."