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wird arg strapaziert! Dennoch wer den auf dem Lande in beinahe jedem Haus die Toten eingeladen.
Neben Wasser, Kerzen, Weihrauch und Blumen sind auf jeder Ofrenda Nahrungsmittel; besonders Totenbrot und Mole (eine spezielle Chili-Sauce mit Schokolade) mit Geflügel. Wie stark sie ausgeschmückt wird, hängt dann vom Reichtum der Familie ab. Erste Ausschmückungselemente sind Totenschädel aus Zuckerguß, die man beinahe überall findet. Oft werden Lieblingsgetränke und -zigaretten des eingeladenen Toten hingelegt; für Kinder ihr Lieblingsspielzeug.
In letzter Zeit gibt es richtige Wettbewerbe um die schönste Ofrenda. Nippes und andere eigentlich unübliche Elemente werden jetzt integriert. Auf solchen Ofrendas werden die Produkte des Kunsthandwerks eingesetzt; für die meisten anderen Familien sind sie zu teuer und zudem nicht weiterverwendbar. Die Wettbewerbe haben das Bild der Ofrendas bunter werden lassen. Aber auch in touristisch stark besuchten Gebieten bleibt dies die Ausnahme, finden die meisten Ofrendas nicht mit Blick auf Fremde, sondern auf die eigene Familie und ihre Freunde statt.
Man soll nicht glauben, daß die Ofrendas ein gesetztes "Totengedenken" sind. Der 1. und 2. November sind Festtage, zu denen geliebte und vermißte Verwandte kommen. Es gibt keinen Anlaß zur Trauer, sondern zur Freude.
Wie stark der Einzelne noch an den Besuch der Toten glaubt, läßt sich sehr schwer fest stellen. Es gibt aus Mizquic Berichte, welch furchtbare Folgen es hat, wenn die Ofrenda nicht aufgebaut wird. Bis in die 50er Jahre konnten in Mizquic genaue Beschreibungen des Wegs ins und aus dem Jenseits notiert werden. Fragen nach der Gegenwart der Toten werden ausweichend beantwortet. Wahrscheinlich entspricht folgende Interpretation am ehesten der Wirklichkeit: Man glaubt an das Erscheinen der Toten, weiß zugleich, daß es eigentlich nicht möglich ist und kann es deshalb Fremden gegenüber schwer zugeben.