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Da das Totenfest kein trauriges Gedenken ist, darf, ja soll es sogar Freude machen. Es ist ein Fest der Familien und gleichzeitig des Dorfes: man besucht sich (oder die Toten in den einzelnen Häusern?), die Kinder verkleiden sich, es gibt in Mizquic Umzüge durch den Ort. Bei den Kindern beginnen die Vorarbeiten schon Tage vor dem Fest: Kürbisse werden ausgehöhlt, um als Laternen verwendet zu werden, Verkleidungen entworfen. Gerade die Maskerade zeigt die Vielschichtigkeit des Festes: es ist Totenbesuch und Spiel; obwohl man sich eigentlich vor den Toten nicht graut, legen es Jugendliche doch sehr darauf an, Mädchen zu "erschrecken" - und diese spielen begeistert mit.
Das Fest überzieht das ganze Dorf. Für viele Berufszweige ist das Totenfest die wichtigste Saison: ganze Felder der Totenblumen, der hochständigen Tagetes ("Studentenblume") werden angepflanzt; die Hersteller von Zuckerschädeln beginnen Monate im voraus mit der Produktion; ebenso die von Anstecknadeln, Scherenschnitten und Nippes. Diese Produkte werden nur während weniger Tage vor dem Fest verkauft, geben aber ganzen Handwerkszweigen Brot. Während des Festes selber sind es vor allem die fliegenden Händler mit Kitsch, Kunst und Zuckerwaren sowie die Bäcker, die ihre Geschäfte machen. Kaum eine Bäckerei wird darauf verzichten, ihr Schaufenster "totentaggemäß" mit Calaveras zu schmücken. Die Märkte sind überlaufen von Blumen- und Süßwarenhändlern. Aber auch andere, "normale" Geschäfte und Marktstände haben erhöhten Umsatz: Zur Ausstattung der Ofrendas sind Stoffe, Geschirr, Decken, Weihrauch etc. nötig; das Totenfest entspricht wirtschaftlich beinahe unserem Weihnachten. Viele Händler benutzen es heute als Werbegag: mit Skeletten, die