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Die meisten Gräber sind einfach; oft nur von Steinen gehaltene Sandhügel. Natürlich versuchen sich die Reichen abzusetzen, städtische und vor allem amerikanische Grabsitten nachzuahmen. Manche der reichen Gräber gleichen ganzen Kathedralen. Beim Totenfest fällt auf, daß gerade die einfachen Gräber reich geschmückt werden.

Die Feier am Grab ist Abschied; eine traurige Zeremonie. Der Besuch ist vorüber, das Fest vergangen. Die Familien wollen alleine sein in diesen Stunden. Die Ofrendas waren "offen"; man freute sich über jeden Besucher. "Die Toten wollen viele Menschen sehen, sich vergnügen." Jeder ist willkommen im Haus, stamme er nun aus einem Dorf oder sei er Tourist. Eine kleine Gabe für die Ofrenda ist üblich, wird aber nicht verlangt. Jetzt, auf dem Friedhof, sind Fremde nicht mehr wohlgelitten. Trotz des Tourismus in Mizquic: die Bewohner würden es schärfstens ablehnen, wie im Nachbarort durch Lautsprecher die die Frauen aufzufordern, "jetzt an den Gräbern zu opfern" - damit die Touristen ihre Fotos machen können. Auf dem Friedhof herrscht zwar ein entsetzliches Gedränge, aber jede Familie bleibt für sich. Dies ist keine Attraktion für die Fremden, kein Fototermin; dies ist ein Abschied.

Welche Rolle die Kirche spielt, hängt ganz von der Anerkennung des Priesters durch die Gemeinde ab. In Mizquic ist er nicht beliebt. Man geht zwar zum Allerseelengottesdienst; sonst aber findet der Totenkult ganz ohne ihn statt. Dabei bekämpft er ihn nicht etwa: sogar in der Kirche gibt es eine Ofrenda. Aber die Gemeinde sieht nicht ein, wieso sie den Geistlichen zum Fest der Toten und vor allem zu ihrer Verabschiedung einladen soll. In Ocotepec dagegen steht der Bischof mitten in der Gemeinde, wird von allen anerkannt und bemüht sich selber, die Volksfeste zu integrieren. Kein Aspekt des Totenkults findet ohne ihn statt.