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Sie ist nicht ewig; der Kontakt zu den Verstorbenen bleibt bestehen. Der Totenkult ist unmittelbare "Trauerarbeit" .
Die Mexikaner haben ebensoviel Angst vor dem Tod wie wohl alle Menschen. Doch sie haben ein Mittel gefunden, mit dieser Angst zu leben: indem sie nicht zulassen, daß der Tod zur endgültigen, für immer trennenden Schranke wird.

Aus der Tradition der vorspanischen Religionen ebenso wie aus dem Christentum haben die Mexikaner eine Lösung für den Umgang mit dem Tod gefunden: nicht er, als trennende Instanz steht im Vordergrund, sondern der Tote, mit dem weiterhin Kontakt möglich ist.

Ganz fremd sind uns diese Ideen nicht. Unsere Sagen und Legenden zeigen nur zu deutlich, daß einst auch bei uns ähnliche Konzepte erdacht und geglaubt wurden. Erst das Christentum führte den Tod als trennende Instanz ein, legte das Schicksal der Toten ganz in Gottes Hand. Erst die Aufklärung machte den Friedhof zur Gedenkstätte; der moderne Friedhof ist gerade 150 Jahre alt.

Und erst unser Jahrhundert mit überwältigenden Leistungen der Medizin einerseits, Hektakomben von Toten aus Kriegen und Unfällen andererseits gebar die Hoffnung, den Tod besiegen zu können. Aber können wir das, werden wir es je können? Oder verdrängen wir ihn nur - und mit ihm unsere Toten?

"Von anderen Völkern lernen" kann man nie direkt. Sie haben andere Traditionen. Aber zum Nachdenken über die eigene Position können sie anregen, vielleicht zu einem Gang über einen Friedhof in Deutschland am Ende des 20. Jahrhunderts. Die Kulturgeschichte des Todesbrauchtums ist noch wenig erforscht, letztlich aber ist sie immer die Geschichte derer, die darüber nachdenken.