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Weit wichtiger aber ist, daß die Toten nicht von den Menschen getrennt sind: Als Ahnen haben sie ebensoviel Anrecht auf das Land wie ihre Nachfahren und damit auch auf die Erträge; sie besuchen die Lebenden auf Totenfesten und werden hier von ihnen bewirtet.

Für die Azteken war Tlalocan nur ein spezielles Totenreich, das nur denen offenstand, die an Naturkatastrophen oder Seuchen starben. Anscheinend war es für die nicht-aztekischen Indianer im Hochland aber wichtiger, spielten die aztekischen, aus der Eroberertradition dieses Volkes geborenen Feste eine geringe Rolle. Dies wird bei der Missionierung wichtig werden.

Totenfeste hatten auch die Azteken, ebenso wie die umliegenden Völkerschaften. Sie wurden Blumenfeste genannt. Wir wissen, daß sie große Bedeutung besaßen, auch wenn die spanischen Chronisten auf die Darstellung anderer religiöser Aspekte, vor allem der Menschenopfer, weit größeres Gewicht legten. Bei den Azteken fanden sie im August und September statt, bei anderen indianischen Völkern des Hochlandes Anfang November.

Die Toten waren in allen drei Vorstellungen für die Lebenden wichtig: entweder regenerierten sie durch ihren Tod die Weltkraft und konnten so Dank beanspruchen, oder sie waren die Eigner des Landes und konnten die Lebenden zum Guten wie zum Bösen beeinflussen. Darstellungen von Totenschädeln, wie wir sie vielfach aus dem vorspanischen Mexiko kennen, sind keine Symbole von Grausamkeit. Aus Formen zur Herstellung von Keramiktotenschädeln wissen wir, daß Totenkopfnachbildungen Objekte des täglichen Lebens waren; wir finden sie als Skulpturen und an Ketten. Darstellungen von Menschen halb als Skelett, halb als Lebende, gibt es nicht nur bei den Azteken, sondern auch