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ein Verkehr mit den Toten möglich war; in Beerdigungszeremonien findet es noch seinen Ausdruck, wenn Spiegel verhängt werden müssen, um die Seele des Verstorbenen daran zu hindern, Lebende "mit sich zu nehmen".
Die europäische Kunst der Konquista-Zeit ist beherrscht von der Präsenz des Todes, der als Schädel, ausgehende Kerze, Stundenglas symbolisiert wird. Gleichzeitig erinnert sie den Menschen an seine Hoffnung: die Erlösung durch das Selbstopfer Christi. Der Tod kam durch die Sünde in die Welt, Christus hat den ewigen Tod aufgehoben. Die Kombination von Kruzifix und Totenkopf zeigt das Gesamtkonzept: die Verfallenheit dem Tode ebenso wie die Hoffnung auf ewiges Leben. Viele Kruzifixe wurden deshalb auf einen Schädel basiert, bei vielen Kreuzigungsdarstellungen tritt der Tod als Begleiter auf. In die gleiche Tradition gehören die Wendeköpfe: kleine Plastiken, die auf der einen Seite den Schädel, auf der anderen das Antlitz Christi zeigen. Schädel mit Schlangen drücken unmittelbar die Abstammung des Todes aus der Erbsünde aus.

Die "Memento mori"-Haltung kennzeichnete die europäische Einstellung bis zur Aufklärung im 18. Jahrhundert; erst danach wurden neue Formen gesucht. Die Erinnerung an die Toten auf schön gestalteten Friedhöfen entstand erst im 19. Jahrhundert. Gleichzeitig wurde das Skelett und der Schädel unheimlich, geradezu unanständig. Das mag daran liegen, daß durch die Wandlung des "Totenangers" zum Friedhof die häufige, direkte Begegnung mit Skeletteilen aufhörte. Oder man wollte die Toten nicht mehr so sehen. In jedem Fall verbannte das 19. Jahrhundert den Schädel; von vielen Kruzifixen wurde er abgesägt. Aus dem Symbol des "Memento mori" wurde das Warnsignal, die Drohung. Ganz bewußt trugen die "Totenkopfhusaren" der