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die Chancen zum Plündern schlecht - schließlich war man zivilisiert und plünderte (meistens) nur Andersgläubige! Man mußte sich also nach neuen Möglichkeiten umsehen. Und die Schiffe des Columbus brachten vielversprechende Ladung mit sich! Cortez selber ist für diese Gruppe typisch: er stammt aus einer jener Kriegerfamilien. Sein Vater, der die Situation richtig erkannte, wollte ihn zum Jurastudium zwingen: ein Beamtenleben ist vielleicht nicht so spannend, aber immerhin bietet es gesicherte Einkünfte. Cortez selber aber mißfiel diese Aussicht und er wanderte in die neuen Kolonien aus. Aber auch die konnten ihm weder das gewünschte Abenteuer noch die erhofften Schätze bieten; also mußte er versuchen, eine "eigene Kolonie" zu erobern. Die meisten der Eroberer waren solch kleine Adlige, die nach Ende der Kriege in Spanien kein Auskommen mehr hatten und ihr ganzes Restvermögen in die Ausrüstung steckten.

Cortez und andere Eroberer schickten beträchtliche Summen an Kaiser Karl V.; ihre Bedeutung für den Staatshaushalt wird bis heute weit überschätzt. Jede einzelne Sendung war natürlich eindrucksvoll. Als die erste des Cortez von den Franzosen gekapert war, soll der französische König erklärt haben, nun wisse er endlich, wieso Karl V. ständig Krieg mit ihm führen könne, ohne Bankrott zu machen. Die Sendungen haben viel zum Mythos des amerikanischen Reichtums beigetragen, Karl V. aber nie entscheidend geholfen, aus seinen Finanznöten herauszukommen.
Und die einzelnen Eroberer mußten schnell feststellen, daß die Erzählungen über den Reichtum Amerikas Gerüchte waren. Bei der Eroberung von Mexiko wurden die "Tributlisten" des Motecuzoma gefunden, leider aber nur wenig Gold. Man übersah, daß unter den Härten des Krieges der gesamte Reichtum